Abenteuer in Raiatea

Das Beste kam zum Schluss

Nach unserer unvergesslichen Zeit auf Huahine war es an der Zeit, weiter nach Westen in Richtung Raiatea zu segeln. Neben der Tatsache, dass es sich um eine weitere beeindruckend schöne Insel handelte, war Raiatea für uns noch aus einem anderen Grund besonders. Es sollte unser letzter Stopp in Französisch-Polynesien sein, bevor wir ausklarieren und unsere Überfahrt zu den Cook Islands beginnen würden.

Unser Besuch entpuppte sich als Woche voller Abenteuer, unerwarteter Lacher, wunderschöner Entdeckungen, bürokratischer Hürden, Bootsprojekten (die zwar fast täglich anfallen, deren Details ich euch hier aber größtenteils erspare), unglaublich freundlicher Einheimischer und einiger „Premieren“, die wir so schnell nicht vergessen werden.

Ein holpriger Empfang … gefolgt von Paradies

Die Ankunft in Raiatea war alles andere als entspannt. Der Törn von Huahine hatte es in sich: starker Wind, ruppige See, anhaltender Regen und genug Wellen, um mich wieder einmal daran zu erinnern, dass Seekrankheit und ich noch immer keine guten Freunde sind.

Nach unserer Ankunft ankerten wir in der ZMR de Faaroa, einer wunderschön geschützten Bucht. Offenbar waren wir nicht die einzigen Segler mit dieser Idee. Die Ankerbucht war voller Fahrtensegler, die sich vor dem Wetter versteckten, aber es gab noch ausreichend Platz. Unser Anker grub sich gut in den schlammigen Grund, und zum ersten Mal seit Tagen hörte unser Boot auf, durch die Wellen zu tanzen.

Die Umgebung machte alles noch besser: hohe, grüne Berge auf beiden Seiten, während tiefe Wolken träge durch die Gipfel zogen. Immer wieder brach Sonnenlicht durch den Nebel und verwandelte das Wasser in ein intensives Smaragdgrün.

An diesem Abend saßen wir einfach unter Deck und machten … absolut nichts. Keine brechenden Wellen. Kein Rollen. Keine Seekrankheit. Nur ein ruhiger Abend mit einer Serie, während der Regen sanft auf das Deck prasselte. Manchmal ist genau das der größte Luxus.

Regenstage sind Bootstage

Am nächsten Morgen hingen die Wolken noch immer über den Bergen, und immer wieder zog eine neue Böe über die Ankerbucht hinweg. Da das Erkunden des Umlands nicht besonders verlockend war, entschieden wir uns, all die weniger glamourösen Segleraufgaben zu erledigen, über die man auf Instagram selten etwas sieht. Papierkram. Die Planung unserer Ankunft auf den Cook Islands. Werkzeug organisieren. Blogposts schreiben. Kleine Reparaturen am Boot erledigen. Ein älteres Segelboot zu besitzen bedeutet, dass die Liste an Bootsprojekten nie wirklich kürzer wird, sie verändert sich nur. Wer unsere Reise schon seit einer Weile verfolgt, hat das vermutlich schon bemerkt.

Zum Glück brachte der Abend eine spannende Unterbrechung: Srrrrrrrrrrr! Alex war aus dem Cockpit, bevor ich überhaupt realisierte, was los war. Die Angel schnurrte, die Rolle lief leer. Nur mit einer Stirnlampe bewaffnet holte er einen wunderschönen Red Snapper an Bord. Fantastisch! Und es blieb nicht bei einem Fisch. Am Ende des Abends landeten drei prächtige Red Snapper in unserem Boot. Das Abendessen für den nächsten Tag war gesichert.

Zum Glück hatte das Wetter irgendwann genug von uns. Am nächsten Morgen wachte wir bei blauem Himmel und Sonnenstrahlen auf. Es gab also keinen Grund mehr, an Bord zu bleiben.

Durch einen winzigen tropischen Regenwald

Der Schutz vor Wind und Schwell war nicht der einige Grund gewesen, warum wir die Bucht ZMR de Faaroa zum ankern gewählt hatten. Am hinteren Ende der Bucht schlängelt sich ein schmaler Fluss durch dichte tropische Vegetation, und wir hatten gehört, dass sich eine Erkundung lohnt. Also ging es los.

Der kleine Fluss war gerade tief genug für unser Dinghy und fühlte sich an wie die Fahrt in einen tropischen Regenwald, zumindest so, wie ich mir einen vorstelle. Palmen neigten sich über das Wasser, Brotfruchtbäume ragten hoch in den Himmel, und leuchtende tropische Blumen säumten beide Ufer. Alles war üppig, grün und voller Leben.

Unterwegs kamen wir sogar an einem kleinen Obststand vorbei, der lokale Produkte verkaufte, bevor der Fluss schließlich zu flach wurde, um weiterzufahren. Ein Steg markierte das Ende unserer Reise. Dort wartete ein wunderschöner botanischer Garten mit tropischen Pflanzen und Erklärungen zu ihren traditionellen Verwendungen. Da unser botanisches Wissen sich im Wesentlichen auf „Das ist eine schöne Blume“ beschränkt, haben wir tatsächlich überraschend viel gelernt.

Als wir zum Steg zurückkehrten, waren zwei große Touristenboote angekommen. Offenbar hatte unser kleines Dinghy deutlich mehr Platz beansprucht, als ihnen lieb war. Ups… Zum Glück war niemand wirklich verärgert und vor allem war unser Dinghy noch da.

Die große Gemüse-Expedition

Zurück an Bord war es gerade Mittag, und damit stand eine sehr wichtige Mission an: Gemüse finden.

Das klingt absurd, bis man ein zahlreiche Tage am Stück hauptsächlich von Dosenessen und allem lebt, was in den Vorräten am längsten durchhält. Plötzlich werden Zwiebeln unbezahlbar. Tomaten mehr als verlockend. Und Salat fühlt sich wie ein Luxusgut an. Ist ein Burger überhaupt ein Burger ohne Salat, Tomate und Zwiebel? Wir fanden eindeutig: nein. Nicht, dass wir überhaupt Fleisch für Burger gehabt hätten.

Der nächste Supermarkt lag eine lange Dinghy-Fahrt entlang der Bucht entfernt. Alles lief reibungslos … bis wir ankamen: Der Laden hatte gerade Mittagspause. Natürlich hatte er das.

Anstatt den langen Rückweg anzutreten, beschlossen wir, die Gegend zu erkunden. Wir landeten an einem kleinen Strand, wo Alex entschlossen ausstieg, um das Dinghy an Land zu ziehen. Nur ein kleines Problem: Das Wasser war deutlich tiefer als erwartet. In dem einen Moment schwang er noch elegant das Bein über die Bordwand des Dinghys … im nächsten gab es einen lauten Platscher, gefolgt von etwas, das verdächtig nach „Ohhh… verdammt!“ klang.

Ich habe sehr, sehr versucht, nicht zu lachen. Ich habe es nicht geschafft. Alex fand die Situation erwartungsgemäß deutlich weniger amüsant.

Während wir durch die Gegend streiften und auf die Wiedereröffnung des Supermarkts warteten, zogen langsam wieder dunkle Wolken auf. Dieser Teil von Raiatea fühlte sich deutlich anders an als Huahine. Die Gärten waren weniger gepflegt, und insgesamt wirkte die Stadt etwas weniger herausgeputzt.

Schließlich öffnete der Supermarkt wieder. Unsere Begeisterung hielt ungefähr zehn Sekunden. Fast alle Gemüse-Regale waren leer. Kein Salat. Keine Tomaten. Keine Gurken. Nichts. Dann … da war es: ein einsamer Stapel Pak Choi. Ich habe mich nie in meinem Leben so über Pak Choi gefreut.

An diesem Abend feierten wir mit einem einfachen Nudel-Wok. Es schmeckte ehrlich gesagt wie in einem Fünf-Sterne-Restaurant. Unglaublich, was ein bisschen frisches Grün nach mehreren Tagen ohne ausmacht.

Bootsprojekte … und freundliche Begegnungen

Die nächsten sonnigen Tage standen ganz im Zeichen des Bootsbaus. Wir reinigten das Cockpit, dichteten unseren Gas-Schapp neu ab, reparierten Schrauben, durch die Wasser in den Motorraum tropfte, schrubbten einen weiteren Abschnitt des Rumpfs, schleiften verwittertes Teak und installierten eine neue 12-Volt-Steckdose, damit wir nicht jedes Mal den Wechselrichter einschalten mussten, wenn wir etwas laden wollten. Nicht besonders glamourös, aber jedes erledigte Projekt machte das Boot ein Stück gemütlicher und sicherer für die tausenden Seemeilen, die noch vor uns liegen.

Nach dem wir einige unserer Aufgaben geschafft hatten, belohnten wir uns mit einem weiteren kleinen Ausflug an Land, um unsere Wasserkanister aufzufüllen. An einem kleinen Fischerdock reinigte eine Familie ihren Fang mit einem Frischwasserschlauch. Mit meinem sehr begrenzten Französisch fragte ich ein junges Mädchen, ob das Wasser trinkbar sei. Ohne zu zögern lächelte sie, lief zu ihrer Familie, erklärte unsere Situation und reichte uns den Schlauch. Keine Fragen, kein Zögern, einfach Hilfsbereitschaft.

Während wir unsere Wasserkanister füllten, sahen wir, wie zwei Fischer mit einem großen Netz ins Wasser gingen. Langsam bildeten sie einen weiten Kreis, den sie schließlich gegen die Strömung schlossen. Innerhalb weniger Minuten waren Hunderte kleiner Fische gefangen. Solche traditionellen Fangmethoden aus nächster Nähe zu sehen, war beeindruckend.

Als wir dort saßen, kam ein Einheimischer namens Patrick zu uns. Zwischen seinem gebrochenen Englisch und meinem gebrochenen Französisch kamen wir irgendwie ins Gespräch. Er zeigte auf einen der Berge auf der anderen Seite der Bucht und erklärte, dessen Silhouette sehe aus wie ein Gesicht mit im Wind wehenden Haaren. Ob man es wirklich erkennen konnte oder nicht, spielte am Ende kaum eine Rolle. Es war einfach ein weiterer Moment, der zeigte, wie unglaublich herzlich die Menschen hier sind.

Schnorcheln auf unserem fast privaten Motu

Irgendwann war es Zeit, unsere ruhige Ankerbucht zu verlassen und uns näher an den Hafen von Uturoa zu verlegen, wo wir unsere Ausklarierungsunterlagen abholen wollten. Eine gute Ankerstelle in Stadtnähe zu finden war nicht einfach, also ankerten wir neben dem winzigen Motu Île Taoru. Es stellte sich als großartiger Platz heraus. Wir hatten die Bucht ganz für uns allein, geschützt durch das Riff vor dem offenen Ozean und gleichzeitig nur wenige hundert Meter vom Riffpass entfernt.

Es war ein unglaubliches Gefühl. Unser Boot lag ruhig und geschützt, während direkt außerhalb des Riffs ununterbrochen mächtige Wellen brachen. Der einzige Nachteil? Der Grund war mit Steinen durchsetzt. Immer wieder schabte unsere Ankerkette über einen davon und verursachte ein lautes, metallisches Kratzen. Auch wenn der Anker sicher hielt, ließ mich jedes Geräusch nervös aufschauen, um sicherzugehen, dass wir nicht doch zu treiben begonnen hatten.

Am folgenden Nachmittag packten wir unsere Schnorchelausrüstung, Handtücher und ein kleines Picknick ein und setzten mit dem Dinghy über den Kanal zu einem weiteren kleinen Motu gegenüber unserer Ankerbucht über.

Das Schnorcheln war unglaublich. Vor allem, weil die Fische hier überhaupt keine Angst vor uns hatten. Sie fraßen einfach weiter, während wir nur wenige Zentimeter entfernt über ihnen schwebten und unsere Anwesenheit völlig ignorierten. Andere wiederum waren so perfekt an den sandigen Meeresboden angepasst, dass sie fast unsichtbar waren, bis sie plötzlich blitzschnell davonschossen.

Nach dem Schnorcheln erkundeten wir die Motu selbst. Es wirkte seltsam verlassen. Alte Gebäude standen leer und wurden langsam von der Natur zurückerobert. Zwei freundliche Katzen tauchten plötzlich wie aus dem Nichts auf und beschlossen, dass wir ihre neuen besten Freunde sind, vermutlich in der Hoffnung auf Futter. Alle paar Meter durchzogen riesige Krabbenlöcher den Boden, deren Bewohner sofort verschwanden, sobald wir uns näherten. Die gesamte Insel hatte eine fast unheimliche, geisterstadtartige Atmosphäre, als wäre eines Tages einfach jeder gegangen und nie zurückgekehrt.

Als die Sonne tiefer sank, fanden wir einen sandigen Strandabschnitt und breiteten unsere Handtücher aus. Frisches Baguette. Käse. Wurst. Ein kaltes Bier. Nur wir beide, umgeben von türkisfarbenem Wasser und ohne eine einzige andere Person auf dem Motu.

Die Sonne verschwand langsam hinter Raiatea und tauchte den Himmel in Orange- und Rosatöne. Viel besser kann es eigentlich nicht werden.

Naja … bis wir anfingen, über alte Legenden, mysteriöse Verschwinden und Geistergeschichten zu reden. Plötzlich wirkte dieses verlassene kleine Motu gar nicht mehr so friedlich, und der Rückweg zum Dinghy wurde dann doch ein kleines bisschen schneller als zuvor.

Bürokratie schlägt wieder zu

Am Montag reichten wir unsere Ausklarierungspapiere ein. Normalerweise dauert dieser Prozess nur wenige Tage. Außer natürlich bei uns.

Wir hatten uns das Ganze recht unkompliziert vorgestellt: kurz zur Polizeistation gehen, die Unterlagen abholen und zwanzig Minuten später wieder zurück an Bord sein. Die Realität hatte allerdings andere Pläne.

Die Polizeistation war, sagen wir … interessant. Alles war umzäunt, und es war schwierig, überhaupt mit jemandem zu sprechen. Dort erfuhren wir dann auch den Grund für die Verzögerung: Da unser Boot ursprünglich vor über zwanzig Jahren nach Französisch-Polynesien importiert worden war und wir selbst es nie offiziell ins Land gesegelt hatten, wurde der gesamte Papierkram deutlich komplizierter als erwartet.

Vielleicht Freitag. Vielleicht Montag. Niemand wusste so genau, wie lange die Freigabe dauern würde. Ungünstigerweise bedeutete das auch, dass wir möglicherweise das perfekte Wetterfenster für die Überfahrt zu den Cook Islands verpassen würden.

Nicht gerade das, was wir hören wollten.

Unterstützung für einen guten Zweck

Da wir plötzlich unerwartet Zeit hatten, beschlossen wir, das Beste daraus zu machen. Bereits in Tahiti hatte ich einen deutschen Segler kennengelernt, der sich in einem Hilfsprojekt für Kinder auf abgelegenen Inseln engagiert. Das Projekt versorgt Gemeinden, mit Schulmaterial, Sportausrüstung, Kleidung und Hygieneartikeln. Wir hatten Lust zu helfen, also verbrachten wir den Nachmittag mit Einkaufen: Hefte. Stifte. Flip-Flops. Fußbälle. Zahnbürsten. Erste-Hilfe-Material.

Der Rücktransport all dieser Dinge durch die kabbelige See im Dinghy wurde selbst noch einmal zu einem kleinen Abenteuer, aber glücklicherweise hielten unsere Müllsäcke alles zuverlässig trocken.

Ein weiteres großes Etappenziel

Eine letzte Aufgabe blieb, bevor wir Französisch-Polynesien verlassen konnten: Treibstoff bunkern. Statt unzählige Kanister hin und her zu schleppen, entschieden wir uns, direkt mit dem Boot an den Fuel Dock zu gehen. Das klingt vielleicht nach einer simplen Erledigung. Für uns war es das ganz und gar nicht. Es war das erste Mal, dass wir unser eigenes Boot längsseits an einen Steg manövrierten.

Als wir ankamen, war die Tankstelle bereits belegt, also hielten wir uns im Wind und in der Strömung auf Position und warteten auf eine Lücke. Nicht unbedingt die Art von Bedingungen, die man sich wünscht, wenn das eigene Boot rückwärts eher als Empfehlung versteht.

Schließlich legte das Fischereiboot ab, und der Platz wurde frei. Wir legten den orwärts-Gang ein, korrigierten sanft die Position und machten längsseits fest. Perfekt. Kein Drama. Kein Schaden. Erfolg.

Während Alex die Dieseltanks füllte, eilte ich zum Hafen, um unsere Wäsche abzuholen, die wir am Vortag bei einer lokalen Wäscherin abgegeben hatten. Als ich zurückkam, mit einem Beutel voller sauberer Kleidung , war der Tank und die Kanister bereits voll und unser erster Fuel-Dock-Manöver war abgeschlossen.

Selbstvertrauen wächst auf See erstaunlich schnell. Also sahen wir uns an und stellten die naheliegende Frage: Wollen wir die Marina ansteuern? Warum eigentlich nicht.

Also fuhren wir in Richtung Marina und hielten auf die Kaianlage zu. Dann bewegten wir das Boot Zentimeter für Zentimeter, immer darauf bedacht, trotz Wind und Strömung die Position zu halten, bis Alex schließlich über den niedrigen Zaun an Land sprang und die Leinen festmachte. Zwei erfolgreiche Anlegemanöver an einem Tag. Wir waren völlig stolz auf uns.

Polynesisches Tanzen unter den Sternen

Der Aufenthalt im Hafen von Uturoa erwies sich als Glücksfall. Wäre unser Papierkram rechtzeitig fertig gewesen, wären wir längst weitergesegelt und hätten eines der Highlights unseres Aufenthalts verpasst. Unweit der Marina fand ein lokales Festival statt.

Die Luft war erfüllt von Musik, dem Duft von Popcorn, und wir konnten eine traditionelle polynesische Tanzshow miterleben. Die Aufführungen waren beeindruckend: energiegeladen, farbenfroh und voller Rhythmus.

Das Kuriose daran: Einen Moment später saßen wir in einer Bar und hörten Einheimische, die ABBA-Songs performten, umgeben von Menschen jeden Alters und Hintergrunds. Es war herrlich surreal.

Außerdem trafen wir Segler aus dem US-Bundesstaat Washington und verbrachten den Abend damit, Geschichten und Reiseerlebnisse auszutauschen. Nach Wochen in abgelegenen Ankerbuchten war es einfach schön, wieder einmal mit anderen Menschen zusammenzusitzen.

Endlich frei

Am Montagmorgen ging es zurück zur Polizeistation. Diesmal … Erfolg. Unsere Ausklarierungspapiere waren endlich fertig. Französisch-Polynesien hatte uns offiziell aus dem Land entlassen.

Leider sah die Windvorhersage für Dienstag weiterhin schlecht aus, also segelten wir statt sofort aufzubrechen zunächst nach Süden in die Baie Opoa, wo wir nahe des UNESCO-Weltkulturerbes Marae Taputapuātea ankerten.

Die Erkundung des alten Marae war ein beeindruckendes Erlebnis. Zwischen den steinernen Ruinen eines der bedeutendsten Zentren polynesischer Navigation zu stehen, machte einmal mehr deutlich, wie außergewöhnlich diese seefahrenden Kulturen schon lange vor den europäischen Entdeckungsreisen über den Pazifik waren.

Dieser Ort verdient eigentlich einen eigenen Blogpost. Die Geschichte ist einfach zu faszinierend, um sie in ein paar Absätzen unterzubringen.

Abschied von Französisch-Polynesien

Der Dienstag wurde unser letzter Vorbereitungstag. Wir überprüften alle Systeme an Bord, sicherten das Deck, organisierten die Vorräte und kontrollierten noch einmal das Wetter.

Rückblickend war Raiatea weit mehr als nur die Insel, auf der wir aus Französisch-Polynesien ausklariert haben. Sie hatte uns mit rauem Wetter herausgefordert, uns mit ruhigen Ankerplätzen belohnt, uns unglaublich freundlichen Menschen vorgestellt, uns unsere ersten erfolgreichen Anlegemanöver ermöglicht und uns einmal mehr daran erinnert, warum wir dieses Abenteuer überhaupt begonnen haben.

Am frühen nächsten Morgen hoben wir ein letztes Mal den Anker. Langsam, wirklich sehr langsam, verschwand Raiatea am Horizont. Vor uns lagen die Cook Islands. Eine weitere Überfahrt. Ein weiteres Abenteuer. Und ein weiteres Kapitel von Expedition Enos, das darauf wartete, geschrieben zu werden.

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