Rückkehr zu Tauha auf die abenteuerliche Art

Wir sind endlich wieder auf dem Weg zurück zu Tauha.

Es ist der 23. Dezember. Gemeinsam über Weihnachten und Neujahr nach Tahiti zu fliegen fühlt sich seltsam an. Statt gemütlicher Abende mit Familie in Berlin und Wisconsin tauschen wir Weihnachtsessen gegen Bootsprojekte. Aber Tauha bereitet sich nicht von selbst auf die große Reise vor, also geht es los.

Unser Flug geht schmerzhaft früh. Wir bekommen nur einige Stunden Schlaf und bewegen uns beide in diesem leicht verzögerten, zombieartigen Zustand, den nur Flughäfen vor Sonnenaufgang erzeugen können. Nachdem wir beim letzten Mal unsere Kamera vergessen haben, sind wir fest entschlossen, diesen Fehler nicht zu wiederholen. Wir überprüfen alles, bevor wir ins Auto steigen. Zweimal. Vielleicht auch dreimal.

Das Gepäck besteht dieses Mal aus eine sehr interessante Mischung an Dingen. Ein Handgepäckstück enthält unter anderem ein AIS System und ein nagelneues UKW Funkgerät. Ein übergewichtiger Koffer ist vollgestopft mit einer beeindruckenden Menge neuer Leinen. Ein weiterer übergewichtiger Koffer enthält ein komplettes Mann über Bord Sicherheitssystem mit Rettungswesten, Hebesystemen und Lifelines. Also alles, was man hoffentlich nie braucht, aber unbedingt haben muss. Ein dritter Koffer beherbergt unser neues Radar. Und schließlich der verwirrendste Koffer von allen, ein übergroßes Monster voller Wand und Oberflächenmaterial sowie Angelruten.

All das ins Auto zu bekommen, dann in den Bus und anschließend die Rolltreppe am Flughafen hochzumanövrieren, ist ein Workout für sich. So viel Gepäck zu bewegen sollte eigentlich eine eigene olympische Disziplin sein. Irgendwann ist alles eingecheckt. Die Sicherheitskontrolleure werden später zwar die Taschen mit den Rettungswesten öffnen, die Koffer dann aber nach Tahiti durch lassen. Unser erster kleiner Meilenstein ist geschafft.

Zurück in Tahiti ist Regenzeit. Der Wetterbericht hat seit Wochen jeden einzelnen Tag Regen angekündigt, aber mal sehen, wie zutreffend das wirklich ist. Als wir landen, trifft uns die Luftfeuchtigkeit wie eine warme, nasse Decke. Der Boden ist komplett durchnässt, aber im Moment hält sich der Himmel noch zurück. Wir sind vorsichtig erleichtert.

Alle Koffer kommen an. Keine Schäden. Kein Drama. Alex ist sogar schneller durch die Sicherheitskontrolle als sonst, was sich wie ein weiteres kleines Wunder anfühlt. Angesichts der schieren Menge an Gepäck entscheiden wir uns, ein Auto zu mieten. Taxis fühlen sich wie ein Glücksspiel an und wir wollen am nächsten Tag flexibel sein, um einkaufen zu gehen.

Während ich am Mietwagenschalter anstehe, steht vor mir ein Mann, der sich ununterbrochen lautstark bei mir darüber beschwert, wie langsam und ineffizient hier alles ist. Ich erwähne beiläufig, dass wir jetzt auf Inselzeit sind. Das löst bei ihm eine neue Tirade aus darüber, dass er Inselzeit kennt, weil er schon einmal Resorts auf Hawaii besucht hat. In diesem Moment bin ich mir ziemlich sicher, dass ein tiefes Durchatmen sein Leben retten könnte.

Wie auf Stichwort öffnet sich der Himmel. Ein gewaltiges Gewitter mit unglaublichen Regenmengen prasselt auf uns herab. Innerhalb weniger Minuten stehen die Straßen unter Wasser. Manche Abschnitte sind knietief überflutet. Ein Mann zieht sich bis auf die Unterwäsche aus, um durch das Wasser zu seinem Mietwagen zu waten, was ehrlich gesagt vielleicht die klügste Entscheidung des Abends ist.

Als ich an der Reihe bin, dauert alles noch länger. Ein Mann bekommt sein Auto nicht aus dem Parkbereich. Ein anderer kann einen Wagen mit Handschaltung nicht starten. Beide brauchen Hilfe von der Frau hinter dem Schalter. Aber wir sind ja auf Inselzeit. Kein Grund, sich zu stressen. Freundlichkeit und Geduld bringen einen meistens weiter.

Ich spreche mit der Frau hinter dem Tresen, die mir versichert, dass dieser Regen nicht normal ist und nicht jede Nacht so sein wird. Hoffentlich, denke ich. Sie bittet freundlicherweise einen Kollegen, das Auto näher ans Gebäude zu fahren, damit wir unser Gepäck einladen können, ohne komplett durchnässt zu werden. Eine absolute Heldin. Und irgendwie passt tatsächlich jedes einzelne Gepäckstück in unseren winzigen Peugeot 208. Wir waren nervös deswegen, aber es klappt.

Die Fahrt zur Marina ist interessant, um es vorsichtig zu sagen. Die Sicht ist nahezu null. Der Regen ist so stark, dass es sich anfühlt, als würden wir unter Wasser fahren. An einer Stelle ist das Wasser auf der Straße so tief, dass ich ernsthaft Angst um das Auto habe. Aber wir schaffen es.

Eigentlich sollten wir an der Marina ein Bootstaxi treffen. Leider entscheidet mein Handyvertrag, der angeblich SMS senden kann, dass jetzt der perfekte Moment ist, nicht mehr zu funktionieren. Keine Nachrichten gehen durch. Das Taxi taucht nie auf. Um elf Uhr nachts, bei strömendem Regen und Blitzen, fährt auch sonst niemand mehr zu seinem Boot.

Also improvisieren wir. Plan B ist, im Auto zu schlafen. Zum Glück haben wir eins. Wir bauen den Peugeot so um, dass er halbwegs bewohnbar ist für zwei Menschen, sechs riesige Taschen und zwei Rucksäcke. Luxus ist es nicht, aber es ist trocken. Mehr oder weniger.

Am Morgen lässt der Regen etwas nach. Als wir aus dem Auto steigen und durch die Marina laufen, ist das Ausmaß offensichtlich. Dinghys, die über Nacht draußen waren, sind komplett vollgelaufen. Manche schwimmen nur noch gerade so über der Wasseroberfläche. Wir schreiben in die Segler Gruppenchat und fragen, ob uns jemand zu unserem Boot fahren kann. Und Segler wären nicht Segler, wenn nicht unser Nachbar anbietet, uns abzuholen, ohne zu zögern durch den Regen zu fahren. Er erzählt uns, dass solche Stürme ab und zu vorkommen, wir aber besonders viel Pech hatten, genau in dieser Nacht anzukommen. Tja.

Wir sind endlich zurück auf Tauha und es fühlt sich unglaublich an. Alles scheint noch da zu sein. Wir setzen unser eigenes Dinghy ins Wasser und fahren zurück zur Marina, um den Rest des Gepäcks zu holen. Drei Dinghy Fahrten später sind wir mit all unseren Taschen an Bord. Ein bisschen nass, aber sehr glücklich.

Wir sind wieder zu Hause, in diesem anderen Leben.

Und das Abenteuer ist offiziell zurück.

Wenn du mehr lesen, unsere Reise weiterverfolgen und uns unterstützen möchtest, würden wir uns sehr freuen, wenn du unseren newsletter abonnieren würdest oder uns auf social media folgen würdest. Jede Form der Unterstützung hält unser Abenteuer am Laufen und wir würden uns riesig freuen, dich an Bord zu haben!