Salomonen - Insel Savo
Happy Halloween – Ein Fest der Megapoden!
Von verspielten Delfinen über vulkanische Strände und einen vierbeinigen Wanderbegleiter bis hin zu einem Festival, mit dem wir niemals gerechnet hätten. Unser Besuch auf Savo Island wurde zu einem unserer bisher schönsten Erlebnisse auf den Salomonen!
Ab in den Mast und auf zu neuen Abenteuern
Nachdem wir unseren endlosen Proviantierungsmarathon in Honiara endlich abgeschlossen hatten, war es Zeit, weiterzuziehen. Wir hatten unseren kleinen Ausflug zurück in die Zivilisation genossen, waren aber mehr als bereit, die Stadt hinter uns zu lassen und die nächste abgelegene Insel zu erkunden. Natürlich hatte Tauha mal wieder andere Pläne.
An diesem Morgen waren wir gerade dabei, unser Dinghy zurück an Bord zu ziehen, als sich die Winsch plötzlich nur noch mit großer Mühe drehen ließ. Zum Glück hing das Dinghy bereits hoch genug, sodass wir es irgendwie über die Reling und an Deck ziehen konnten. Das Seil hingegen bewegte sich keinen Zentimeter mehr. Oh nein. Offenbar war die Rolle, oben am Mast, kaputtgegangen. Und da wir das Seil brauchten, um das Dinghy später wieder ins Wasser zu lassen, konnten wir das Problem schlecht einfach ignorieren. Schließlich wussten wir nicht, was uns am nächsten Ankerplatz erwarten würde. Also ging es für uns nicht direkt aufs Meer, sondern Alex schickte mich erst einmal in den Mast.
Oben angekommen, entdeckte ich schnell das Problem. Eine Seite der Rolle war abgebrochen, wodurch das Seil aus der Führung gesprungen war und nun zwischen dem Rollenrad und den abgebrochenen Plastik- und Metallteilen festklemmte. Na wunderbar. Wir versuchten eine ganze Weile, das Seil wieder freizubekommen, allerdings ohne großen Erfolg. Nachdem ich lange genug im Mast hin und her geschaukelt worden war und mir langsam ziemlich unwohl wurde, entschied ich, dass wir eine andere Lösung brauchten. Also bauten wir kurzerhand die gesamte Rolle ab, um sie später unten mit etwas Werkzeug reparieren zu können. Ein weiterer herrlich entspannter Morgen an Bord der Tauha! Bis wir schließlich alles gesichert hatten, war es schon fast Mittag. Aber endlich konnten wir aufbrechen.
Von der Großstadt ins Paradies – in nur wenigen Stunden
Unser nächstes Ziel war Savo Island, eine Vulkaninsel direkt vor den Hauptinseln der Salomonen. Tatsächlich lag sie so nah, dass wir sie bereits von Honiara aus sehen konnten. Die Überfahrt war wunderbar entspannt. Es wehte nicht besonders viel Wind und die Wellen waren klein, was die Fahrt zwar angenehm, aber auch ziemlich langsam machte. Gegen 15 Uhr näherten wir uns schließlich der Insel. Und wow!
Aus der Ferne hatte Savo gar nicht besonders groß gewirkt, doch aus der Nähe war die Insel einfach atemberaubend. Steile, grüne Klippen ragten entlang der Küste empor, aus den Bäumen hörte man die Vögel zwitschern und sanfte Wellen rollten auf wunderschöne weiße Sandstrände.
Langsam segelten wir an der Küste entlang in Richtung unseres Ankerplatzes und genossen die traumhafte Landschaft. Und einfach so waren wir innerhalb weniger Stunden von den geschäftigen Straßen Honiaras zurück auf einer tropischen Insel, die sich wunderbar abgeschieden anfühlte.
Das Ankern verlief problemlos, und schon bei unserer Anfahrt bemerkten wir, dass überall um uns herum Fische aus dem Wasser sprangen. Einige davon waren erstaunlich groß! Kein Wunder also, dass wir entlang der Küste auch einige Dorfbewohner beim Fischen beobachten konnten.
Doch die Fische waren nicht die Einzigen, die uns eine Show boten. Kurz nachdem wir unseren Anker geworfen hatten, tauchten plötzlich Delfine in unserer Nähe auf. Und zwar nicht nur ein paar!
Es waren gleich mehrere Gruppen mit jeweils mehr als einem Dutzend Tieren. So viele Delfine auf einmal hatten wir noch nie gesehen! Große und kleine Delfine schwammen umher, sprangen aus dem Wasser und vollführten etwas, das fast wie Rückwärtssaltos aussah. Wir standen völlig fasziniert an Deck und beobachteten das Spektakel. Was für ein Empfang auf Savo Island!
Können wir euch vertrauen?
Im Laufe des Nachmittags kamen immer wieder Kanus und Motorboote an unserem Ankerplatz vorbei. Kurz vor Sonnenuntergang näherte sich uns schließlich ein Boot mit drei Männern an Bord. Anders als die meisten Menschen, denen wir bisher auf den Salomonen begegnet waren, begrüßten sie uns nicht mit dem üblichen fröhlichen Winken. Stattdessen forderten sie uns direkt auf, eine Ankergebühr zu bezahlen.
Grundsätzlich haben wir überhaupt kein Problem damit, den lokalen Gemeinschaften etwas zurückzugeben, wenn wir ihre Inseln besuchen. Ganz im Gegenteil! Allerdings muss man als Segler auch ein wenig aufpassen, wem man sein Geld gibt, denn nicht jeder, der Gebühren verlangt, ist auch tatsächlich dazu berechtigt. Also stellten wir erst einmal ein paar Fragen. Einer der Männer erklärte uns, dass er der Sohn des Dorfhäuptlings sei. Als wir fragten, ob wir direkt mit dem Häuptling sprechen könnten, bot er sogar an, uns mit seinem Boot zu ihm zu bringen. Das gab uns schon ein etwas besseres Gefühl. Und da die verlangte Gebühr ohnehin nur etwa zehn US-Dollar betrug, entschieden wir uns schließlich, sie zu bezahlen.
Interessanterweise änderte sich die Stimmung danach fast augenblicklich. Die Männer wurden deutlich entspannter und freundlicher, beantworteten unsere Fragen über die Insel und erklärten uns, welche Orte wir besuchen und erkunden konnten. Am Ende schienen alle zufrieden zu sein, und wir freuten uns auf einen ruhigen Abend an unserem neuen Ankerplatz.
Ein Meer voller Sterne
In dieser Nacht zog ein kleines Gewitter über unseren Ankerplatz hinweg. Doch es gab auch etwas zu feiern! Die Milwaukee Brewers, Alex’ Lieblings-Baseballteam aus Wisconsin, hatten die Meisterschaft gewonnen, und das musste natürlich mit einem Siegerbier gefeiert werden. Schließlich gibt es Traditionen, die man auch auf einer abgelegenen Insel mitten in den Salomonen nicht einfach vernachlässigen darf!
Später am Abend gingen wir noch einmal nach draußen, um zu überprüfen, ob alles sicher war und unser Anker gut hielt. Doch als wir ins Wasser hinunterschauten, entdeckten wir etwas Außergewöhnliches. Das Meer leuchtete! Überall um unser Boot herum funkelten winzige Lichtpunkte, sodass das Wasser beinahe wie ein Spiegelbild des Sternenhimmels aussah. Biolumineszenz! Schon oft hatten wir beim nächtlichen Segeln erlebt, wie winzige biolumineszente Organismen das Wasser zum Leuchten brachten, besonders wenn unser Boot die Wasseroberfläche aufwirbelte. Doch so viele leuchtende Punkte hatten wir noch nie gesehen, während wir einfach nur ruhig vor Anker lagen. Es war absolut faszinierend. Was für ein magischer Abschluss unseres ersten Tages auf Savo Island!
Auf der Suche nach den Megapoden
Am nächsten Morgen hatten wir eine Mission. Wir wollten die Megapoden finden! Jetzt fragt ihr euch vielleicht: Was um alles in der Welt sind eigentlich Megapoden? Megapoden, auch Großfußhühner genannt, sind faszinierende Vögel, die eine ziemlich ungewöhnliche Art der Brutpflege entwickelt haben. Anstatt sich auf ihre Eier zu setzen und sie warm zu halten, vergraben sie diese im Boden und überlassen das Ausbrüten der natürlichen Wärme. Und auf einer Vulkaninsel wie Savo bietet der von der Erde erwärmte Sand dafür die perfekten Bedingungen. Die Vögel selbst sind kleiner als Hühner und können fliegen, doch ihre Eier sind erstaunlich groß, sogar größer als Hühnereier, und bestehen zu einem ungewöhnlich großen Teil aus Eigelb.
Savo Island ist einer der wenigen Orte, an denen man diese faszinierenden Vögel beobachten kann. Ich hatte gehört, dass es auf der Nordseite der Insel Brutgebiete gibt. Natürlich wollte ich mir das unbedingt ansehen! Die beste Zeit dafür ist der frühe Morgen, wenn die Vögel aus dem Wald kommen, um ihre Eier abzulegen, bevor sie sich für den Rest des Tages wieder ins Dickicht zurückziehen. Wir hatten uns also fest vorgenommen, früh aufzubrechen. Leider gab es da noch diese kaputte Rolle.
Bevor wir überhaupt daran denken konnten, an Land zu gehen, mussten wir erst einmal das eingeklemmte Seil befreien. Anschließend schickte Alex mich erneut in den Mast, um eine Ersatzrolle zu montieren und das Seil wieder richtig einzufädeln. Erst danach konnten wir endlich unser Dinghy ins Wasser lassen. Als wir schließlich den Strand erreichten, war es bereits gegen neun Uhr morgens. So viel zu unserem Plan, früh aufzustehen! Aber davon ließen wir uns natürlich nicht abhalten. Wir wollten die Insel trotzdem erkunden!
Ein vierbeiniger Wanderbegleiter
Als wir mit unserem Dinghy am Strand anlandeten, kamen uns eine Frau und mehrere kleine Kinder entgegen, um uns dabei zu helfen, das Boot aus dem Wasser zu ziehen. Sie waren unglaublich freundlich, auch wenn die meisten Kinder noch ziemlich schüchtern waren. Diesmal waren wir allerdings besser auf unsere kleinen Besucher vorbereitet. Wir hatten ein paar Lollis dabei, die natürlich für große Begeisterung sorgten! Nachdem wir uns bei allen bedankt hatten, machten wir uns zu Fuß auf den Weg.
Zu unserer Freude stellte sich heraus, dass man auf Savo Island wunderbar spazieren gehen konnte. Direkt hinter der ersten Baumreihe verlief ein schöner Weg, der die kleinen Dörfer entlang der Küste miteinander verband. Die meisten bestanden nur aus einer Handvoll Häusern, und jeder, dem wir begegneten, begrüßte uns mit einem freundlichen Winken oder einem fröhlichen „Good morning!“. An einem Haus, das offenbar zu einem kleinen, nur gelegentlich besuchten Resort gehörte, trafen wir dann auf jemanden ganz Besonderen. Einen kleinen Hund.
Die Hündin schien größtenteils blind zu sein, doch das hielt sie keineswegs davon ab, sich erstaunlich gut zurechtzufinden. Sie kam direkt auf uns zu, ließ sich begeistert streicheln und beschloss dann kurzerhand, sich unserem Abenteuer anzuschließen. Und das war's dann auch schon. Wir hatten jetzt einen Hund. Fröhlich trottete sie neben uns her und folgte uns auf Schritt und Tritt. Besonders an Futter oder Wasser schien sie gar nicht interessiert zu sein. Alles, was sie wollte, war ein bisschen Gesellschaft. Was für eine süße kleine Hündin!
Ein Mann mit einer Machete und eine Lektion über Tabu
Im Laufe des Vormittags stieg die Sonne immer höher und die Hitze wurde zunehmend unangenehm. Irgendwann beschlossen wir, eine kleine Pause im Schatten einiger Bäume direkt am Strand einzulegen. Wir hatten es uns gerade mit einer Banane gemütlich gemacht, als plötzlich ein älterer Mann auf uns zukam. Mit einer Machete in der Hand. Na, hallo! Er erklärte uns, dass ihm jemand erzählt hatte, ein weißer Mann würde auf seinem Grundstück sitzen, und deshalb wollte er mal nachsehen, was da los war. Na gut, verständlich!
Zum Glück stellte sich schnell heraus, dass er unglaublich freundlich war und hervorragend Englisch sprach. Früher hatte er als Touristenführer gearbeitet und erzählte uns begeistert vom Leben auf Savo Island, den Megapoden und allerlei anderen Dingen. Leider sprach er dabei so leise, dass wir die Hälfte kaum verstehen konnten. Also saßen wir größtenteils da, aßen unsere Bananen, lächelten freundlich und versuchten, dem Gespräch so gut wie möglich zu folgen. Ein Rätsel konnte er für uns allerdings lösen.
Während unserer Wanderung waren uns immer wieder Flaschen aufgefallen, die auf Stöcken befestigt waren und eine rote Markierung hatten. Wir hatten uns schon gefragt, was es damit auf sich hatte. Wie sich herausstellte, handelte es sich um sogenannte Tabu-Markierungen. Diese kennzeichnen Bereiche, in denen bestimmte Aktivitäten nach den traditionellen Regeln der Dorfgemeinschaft verboten sind. Zwei solcher Markierungen können beispielsweise bedeuten, dass man in einem bestimmten Strandabschnitt nicht schwimmen oder in einem bestimmten Gebiet keine Kokosnüsse sammeln darf. Gut zu wissen! Nach einer Weile bedankten wir uns bei dem Mann und setzten unsere Wanderung fort.
Als wir an seinem „Vorgarten“ vorbeikamen, entdeckten wir eine große Plane, auf der jede Menge aufgespaltene Kokosnüsse in der Sonne trockneten. Ah! Das erklärte vermutlich auch die Machete. Später erfuhren wir, dass man das Fruchtfleisch viel leichter aus der Schale lösen kann, wenn man die aufgebrochenen Kokosnüsse ein paar Tage in der Sonne trocknen lässt. Man lernt eben nie aus!
Zehn Kinder, ein Hund und ein ziemlich heißer Strand
Je weiter wir liefen, desto schöner wurde die Küste. Der Sand wurde immer weißer und das Wasser leuchtete in den unglaublichsten Türkis- und Blautönen. Es sah aus wie im Paradies. Leider war es im Paradies auch unglaublich heiß. Die Sonne brannte erbarmungslos vom Himmel, und jede Gelegenheit, meine Füße im Wasser abzukühlen, war mehr als willkommen. Als wir uns den Brutgebieten der Megapoden näherten, trafen wir auf eine Gruppe Kinder, die gerade im Meer spielten. Als sie uns entdeckten, wurden sie sofort neugierig. Wo wollten wir denn hin?
„Zu den Brutgebieten der Megapoden!“ Mehr mussten wir offenbar gar nicht sagen. Innerhalb weniger Augenblicke ließen sie das Schwimmen sein und beschlossen, uns zu begleiten. Plötzlich waren wir mit etwa zehn aufgeregten Kindern und unserer treuen kleinen Hündin auf dem Weg zu den Brutplätzen. Was für eine Expedition!
Die Kinder liefen barfuß über den glühend heißen Sand, als wäre es das Normalste der Welt, während ich mich in meinen Sandalen mühsam vorwärtskämpfte. Wie machten die das nur? Als wir schließlich die Brutgebiete erreichten, erklärten uns die Kinder begeistert, wie die Vögel morgens hierherkamen, um ihre Eier abzulegen, und wie die Dorfbewohner diese später aus dem Sand ausgruben. Wir standen gerade auf dem eingezäunten Brutgelände, als ein weiterer Mann auf uns zukam. Sein Name war Wilfred, und er war der Sohn von Paxton, dem Landbesitzer. Und er hatte aufregende Neuigkeiten für uns.
Eine Einladung, die wir nicht ausschlagen konnten
Wilfred erzählte uns, dass am nächsten Tag das allererste organisierte Megapoden-Festival auf Savo Island stattfinden würde. Und er wollte unbedingt, dass wir dabei sind! Wir waren sofort begeistert, allerdings gab es da ein kleines Problem. Unser Segelboot lag ziemlich weit entfernt vor Anker, und nach unserer langen Wanderung in der brütenden Hitze hatten wir beide nicht unbedingt Lust, am nächsten Tag die gesamte Strecke noch einmal zu laufen. „Kein Problem!“, erklärte Wilfred. Wir könnten mit Tauha einfach um die Insel herumfahren und direkt vor den Brutgebieten ankern. Moment mal, wirklich? Das klang ja perfekt!
Er erzählte uns, dass sie etwa 120 Besucher erwarteten, hauptsächlich Einheimische von Savo Island und aus Honiara. Die Idee war, zunächst mit einem kleinen Festival zu beginnen und es in den kommenden Jahren hoffentlich weiter auszubauen. Die Veranstaltung war außerdem Teil der Bemühungen, die Megapodenpopulation auf der Insel zu schützen und mehr Aufmerksamkeit auf diese außergewöhnlichen Vögel zu lenken.
Wir fanden die Idee großartig!
Also versprachen wir Wilfred, dass wir Tauha noch am selben Nachmittag zum neuen Ankerplatz bringen und am nächsten Morgen beim Festival dabei sein würden. Er freute sich sichtlich darüber, dass wir kommen wollten. Und wir waren mindestens genauso gespannt darauf, was uns am nächsten Tag erwarten würde!
Der lange Rückweg
Natürlich gab es da noch ein kleines Hindernis. Wir mussten den ganzen Weg zurück zu unserem Dinghy laufen. Und inzwischen war es HEIß. Richtig heiß. Unsere Füße schmerzten, unsere Beine waren müde und die Sonne schien fest entschlossen, uns bei lebendigem Leib zu grillen. Das einzige Mitglied unserer kleinen Expedition, das noch unendlich viel Energie hatte, war unsere Hündin. Sie trottete weiterhin fröhlich neben uns her, als wären wir gerade erst losgelaufen.
Unterwegs entdeckten wir den Schwanz eines riesigen Warans, der gerade im Gebüsch verschwand. Leider war er viel zu schnell weg, um das ganze Tier zu sehen, aber der Größe seines Schwanzes nach zu urteilen, musste er gewaltig gewesen sein! Später entdeckten wir noch einen kleineren Waran, der auf einen Baum kletterte und den wir etwas länger beobachten konnten.
Irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit, erreichten wir endlich wieder unser Dinghy. Dieselben Kinder, die uns schon am Morgen geholfen hatten, kamen erneut herüber, um uns dabei zu helfen, das Boot ins Wasser zu schieben. Doch dann kam der traurige Teil. Unsere kleine Hündin wollte unbedingt mit uns kommen. Sie folgte uns bis ins Wasser und begann sogar, neben dem Dinghy herzuschwimmen, als wir losfuhren. Oh nein! Am liebsten hätten wir sie einfach mitgenommen, aber das war natürlich nicht möglich. Es brach uns fast das Herz, unsere süße kleine Begleiterin zurücklassen zu müssen.
Zurück auf Tauha sprangen wir als Erstes direkt ins Wasser. Was für eine Erleichterung! Nachdem wir uns ordentlich abgekühlt und etwas gegessen hatten, fühlten wir uns endlich wieder wie Menschen. Und dann war es trotz unserer Erschöpfung auch schon wieder Zeit, weiterzuziehen.
Ein neuer Ankerplatz und neugierige Besucher
Wir lichteten den Anker und motorten um die Insel herum in Richtung der Brutgebiete. Es wehte kaum Wind, aber immerhin waren wir auf diesem Weg deutlich schneller als zu Fuß! Der Ankerplatz war auf unseren Seekarten nicht eingezeichnet, also näherten wir uns vorsichtig, beobachteten den Meeresboden und suchten nach einer geeigneten Sandfläche. Schließlich ließen wir unseren Anker in etwa 14 Metern Wassertiefe fallen. Kurz darauf zeigte unser Echolot nur noch sieben Meter an, als wir über die flachere Sandbank trieben. Als Alex später zum Anker hinunterschnorchelte, um ihn zu kontrollieren, stellte er fest, dass wir ihn tatsächlich fast genau an der Kante des Unterwasserabhangs abgeworfen hatten. Zum Glück drückte uns der Wind in die richtige Richtung, der Anker hatte sich gut eingegraben und alles sah sicher aus. Perfekt!
Inzwischen hatten wir nur noch etwa anderthalb Stunden Tageslicht übrig. Am Ufer spielte eine große Gruppe Kinder im Wasser, die offensichtlich ganz fasziniert von dem Segelboot waren, das plötzlich direkt vor ihrem Dorf aufgetaucht war. Angeblich war es schon etwa zehn Jahre her, dass zuletzt ein Segelboot hier vor Anker gelegen hatte! Kein Wunder also, dass alle so neugierig waren. Einige Kinder paddelten und schwammen sofort zu uns herüber. Und dann entdeckten wir in einem der Kanus ein bekanntes Gesicht. Wilfred! Er war gekommen, um uns willkommen zu heißen.
Wir luden ihn und ein paar der Kinder an Bord ein, machten Wilfred einen Kaffee und verteilten ein paar Süßigkeiten an unsere jüngeren Besucher. Wir verbrachten einen wunderschönen Abend damit, uns über das Festival, die Insel und Wilfreds Leben zu unterhalten. Er war auf Savo aufgewachsen und hatte, abgesehen von einigen Reisen zu anderen Inseln der Salomonen für Schule und Arbeit, den Großteil seines Lebens hier verbracht. Er erzählte uns von den fruchtbaren Vulkanböden, durch die auf der Insel so ziemlich alles wunderbar wächst, und von den heißen Quellen, die es überall auf Savo gibt. Außerdem erklärte er uns, dass das Regenwasser inzwischen nicht mehr ausreiche, um den Bedarf der Inselbewohner zu decken, weshalb sie zunehmend auf frisches Grundwasser zurückgreifen.
Als langsam das letzte Tageslicht verschwand, brachte Alex die Kinder, die nicht mehr ins Kanu passten, mit unserem Dinghy zurück an Land. Nach dem Abendessen gingen wir schließlich ins Bett. Morgen würde ein ganz besonderer Tag werden!
Endlich, die Megapoden!
Am nächsten Morgen standen wir früh auf und machten uns gegen acht Uhr auf den Weg an Land. Wilfred wartete bereits auf uns. Und mit ihm etwa zehn Kinder, die uns sofort dabei halfen, das Dinghy den Strand hinaufzuziehen. Einigen von ihnen war sogar die wichtige Aufgabe übertragen worden, den ganzen Tag auf unser Dinghy aufzupassen. Wie süß ist das denn?
Wilfred führte uns direkt zu den Brutgebieten der Megapoden. Wir wollten die Vögel natürlich nicht stören, also blieben wir außerhalb des Zauns und beobachteten das Geschehen ganz leise. Und da waren sie! Fünf Megapoden liefen durch den Sand! Endlich! Nach all unseren Bemühungen am Vortag waren wir überglücklich, die Vögel nun tatsächlich zu Gesicht zu bekommen. Später konnten wir noch einige weitere Megapoden beobachten, die zurück in den umliegenden Wald flogen.
Wilfred führte uns herum und erklärte uns, wie die Brutgebiete funktionierten. Die Dorfbewohner bereiteten manchmal bereits etwa einen halben Meter tiefe Löcher im Sand vor. Wenn ein Megapode eines dieser Löcher entdeckte, konnte er es noch weiter vertiefen, bevor er sein Ei hineinlegte. Der warme vulkanische Sand übernahm anschließend das Ausbrüten. Was für eine faszinierende Anpassung an die Umgebung!
Nüsse, Kokosnüsse und das Warten auf die Gäste
Nach unserer kleinen Vogelbeobachtung führte uns Wilfred in den nahe gelegenen Wald, wo wir auf die Ankunft der anderen Festivalbesucher warteten. Nach und nach gesellten sich immer mehr Männer aus dem Dorf zu uns, und schon bald unterhielten wir uns mit etwa zwanzig neuen Freunden über das Leben auf der Insel. Sie zeigten uns verschiedene Nusssorten, die auf Savo wachsen, und pflückten sogar einige davon, damit wir sie probieren konnten. Sie knackten die Schalen auf und wir durften die frischen Nüsse kosten, darunter auch die sogenannte Kata-Nuss. Köstlich! Einige schmeckten fast wie frische Haselnüsse. Außerdem bekamen wir frische Kokosnüsse zu essen und entdeckten zum ersten Mal einen Kakaobaum, an dem tatsächlich Früchte hingen.
Zwischen all den Kokosnüssen, Kakaobäumen, Nüssen und anderen tropischen Früchten schien auf Savo so ziemlich alles zu wachsen, was man sich nur wünschen konnte, und das direkt rund um die Dörfer. Was für ein unglaublicher Ort! Außerdem erfuhren wir endlich etwas, das uns schon seit unserer Ankunft auf den Salomonen beschäftigt hatte: Warum färbt das Kauen von Betelnüssen den Mund und die Zähne der Menschen eigentlich so knallrot? Die Männer erklärten uns, dass die Betelnuss zusammen mit einem weißen Pulver gekaut wird, das aus gebrannten Korallen oder Muschelschalen hergestellt und zu Kalk verarbeitet wird. Wenn sich dieser Kalk mit der Betelnuss und dem Speichel vermischt, entsteht durch eine chemische Reaktion die auffällige rötliche Farbe, die wir inzwischen schon so oft gesehen hatten. Wieder ein Rätsel gelöst!
Die Gäste aus Honiara verspäteten sich, aber das störte uns überhaupt nicht. Wir hatten viel zu viel Spaß dabei, uns mit den Dorfbewohnern zu unterhalten. Irgendwann hörten wir dann aber doch, dass das Boot angekommen war. Zeit, das Festival zu eröffnen!
Alex gegen das Megapoden-Ei
Zurück bei den Brutgebieten begannen die Dorfbewohner damit, uns zu zeigen, wie sie die Eier der Megapoden sammeln. Zuerst erklärten sie uns, wie man anhand des lockeren, aufgewühlten Sandes erkennen kann, wo ein Vogel sein Ei vergraben hat. Anschließend demonstrierten sie, wie man nach den tief im Sand versteckten Eiern gräbt. Und dann war Alex an der Reihe! Er wurde eingeladen, selbst ein Ei auszugraben. Klingt doch ganz einfach, oder? Tja, nicht ganz.
Sein Ei lag besonders tief vergraben, und jedes Mal, wenn er versuchte, es zu erreichen, rutschte der Sand wieder in das Loch zurück. Zum Glück hatte er jede Menge begeisterte Zuschauer, die ihn mit Ratschlägen, aufmunternden Worten, aber auch reichlich Gelächter unterstützten. Es war zum Schreien komisch! Buddeln, buddeln, buddeln. Eingestürzt. Weiterbuddeln. Wieder eingestürzt. Doch irgendwann, nach jeder Menge Anstrengung, schaffte er es tatsächlich, das Ei aus dem Sand zu holen! Geschafft!
Alle freuten sich riesig, und wir durften das Ei sogar behalten. Nicht unbedingt das Souvenir, das man bei einer Weltumsegelung erwartet! Und dann hatten wir auch noch das Glück, etwas ganz Besonderes mitzuerleben! Eines der Megapoden-Eier, das die Dorfbewohner bei ihrer Eiersuche bewusst unberührt gelassen hatten, war tatsächlich geschlüpft, und wir durften sogar ein winziges Megapoden-Küken sehen! Was für eine unglaubliche Überraschung!
Traditionelle Tänze und Megapoden-Eier zum Mittagessen
Nach der Vorführung des Eierausgrabens standen die kulturellen Darbietungen auf dem Programm. Mehrere Dörfer von Savo hatten traditionelle Tänze für das Festival vorbereitet. Aber zuerst gab es etwas zu essen! Wir bekamen Hühnchen, Reis und ein hart gekochtes Megapoden-Ei. Natürlich mussten wir das probieren. Und es war köstlich! Durch den ungewöhnlich großen Dotter hatte das Ei eine wunderbar reichhaltige, cremige Konsistenz. Mit vollen Bäuchen machten wir es uns anschließend gemütlich, um die Aufführungen zu verfolgen.
Inzwischen hatten wir noch einen neuen Freund gefunden, Jermana, der uns einige der Tänze und ihre Bedeutungen erklärte. Auch Paxton, der Landbesitzer, hatte sich mittlerweile ein Mikrofon geschnappt und erläuterte dem Publikum begeistert, was gerade vorgeführt wurde. Die Darbietungen waren unglaublich abwechslungsreich. Ein Tanz erzählte die Geschichte von Frauen, die gemeinsam Bier tranken und dabei ziemlich betrunken wurden. Ein anderer stellte dar, wie die Megapoden zu ihren Brutplätzen kamen, um ihre Eier abzulegen. Dann gab es noch traditionelle Kriegertänze, die früher im Zusammenhang mit der Entscheidung aufgeführt wurden, ob man in den Krieg ziehen sollte. Dazu gehörten auch Rituale, mit denen Geister vertrieben oder herausgefordert werden sollten. Die Kostüme waren genauso vielfältig wie die Tänze selbst. Einige Tänzer trugen aufwendige Körperbemalungen, andere wunderschönen Schmuck, traditionelle Röcke oder auch kaum Kleidung. Es war faszinierend, die unterschiedlichen Traditionen kennenzulernen.
Auch die Kinder waren mit Begeisterung dabei. Sie saßen zwischen den Zuschauern, verfolgten die Tänze und knabberten dabei Popcorn und trockene Instantnudeln. Apropos Popcorn: Wir entdeckten noch eine weitere lokale Spezialität. Popcorn, gewürzt mit den Gewürzmischungen aus Instant-Ramen-Packungen! Wer hätte das gedacht? Die Stimmung war einfach wunderbar. Überall wurde gelacht, getanzt, gegessen und gemeinsam gefeiert. Und mittendrin saßen wir, zwei Segler, die erst am Vortag auf der Insel angekommen waren und nun irgendwie Teil dieses ganzen Festes geworden waren.
Gespräche über das Inselleben
Nach den Aufführungen lud uns Jermana ein, noch ein Stück weiter durch das Dorf zu spazieren. Schließlich landeten wir bei seinem Onkel zu Hause, wo wir eine weitere wunderbare Stunde mit interessanten Gesprächen verbrachten. Er erzählte uns von der Herstellung von Kokosöl, von seinem Sohn, der dank eines Stipendiums in Australien studierte, und vom Leben auf Savo Island. Wir sprachen auch über Politik, Bildung und darüber, wie die Menschen auf der Insel erfahren, was im Rest der Welt passiert. Obwohl viele Inselbewohner Handys besitzen und es sogar eine Starlink-Verbindung gibt, ist das Internet nichts, was hier jeder ständig nutzt. Auch die Stromversorgung ist begrenzt, weshalb es auf der Insel beispielsweise keine Kühlschränke gibt.
Es war unglaublich interessant, direkt von jemandem, der schon so viele Jahre hier lebte, mehr über die Herausforderungen und Möglichkeiten des Insellebens zu erfahren. Unser Gastgeber war wahnsinnig freundlich und schien sich aufrichtig darüber zu freuen, dass wir uns so sehr für seine Geschichten interessierten. Wir hätten noch viel länger bleiben können. Doch nach zwei ereignisreichen Tagen voller Erkundungstouren, Wanderungen, neuer Bekanntschaften und Feierlichkeiten waren wir inzwischen ziemlich erschöpft. Irgendwann beschlossen wir deshalb, dass es Zeit war, zu Tauha zurückzukehren. Und weil das Wasser so verlockend aussah, entschieden wir uns, einen Teil des Rückwegs neben dem Dinghy herzuschwimmen, um uns noch einmal ordentlich abzukühlen. Der perfekte Abschluss eines wunderschönen Tages.
Eines unserer schönsten Erlebnisse bisher
Rückblickend war unsere Zeit auf Savo Island eines der unvergesslichsten Erlebnisse unserer bisherigen Reise durch den Pazifik. Eigentlich hatten wir nur einen ruhigen Ankerplatz erwartet, vielleicht einen kleinen Spaziergang, um ein paar ungewöhnliche Vögel zu entdecken, und ein bisschen Zeit, um die Insel zu erkunden. Stattdessen fanden wir uns plötzlich zwischen tanzenden Delfinen, leuchtendem Meerwasser, neugierigen Kindern, einer treuen kleinen Hündin, faszinierenden Tieren und einigen der freundlichsten Menschen wieder, die wir bisher kennengelernt hatten. Und irgendwie waren wir dann auch noch ganz zufällig zum allerersten Megapoden-Festival der Insel eingeladen worden. Was dieses Erlebnis so besonders machte, waren aber nicht nur die Vögel oder die wunderschöne Landschaft. Es waren vor allem die Menschen. Und ganz besonders die Kinder machten unseren Aufenthalt unvergesslich! Egal, ob sie uns halfen, unser Dinghy an den Strand zu ziehen, uns stolz ihr Dorf zeigten oder uns einfach überallhin begleiteten, sie waren immer voller Neugier und Begeisterung. Selbst die einfachsten Dinge konnten plötzlich zu einer kleinen Attraktion werden. Einmal war Alex gerade dabei, sich mit Sonnencreme einzucremen, als er plötzlich ein ganzes Publikum faszinierter Kinder um sich versammelt hatte, die jede seiner Bewegungen aufmerksam verfolgten. Offenbar war es ziemlich unterhaltsam, einem weißen Mann dabei zuzusehen, wie er sich mit Sonnencreme einschmierte! Wir hatten unglaublich viel Spaß und lachten so viel mit ihnen. Manchmal mussten wir nicht einmal dieselbe Sprache sprechen, um gemeinsam eine wunderbare Zeit zu verbringen. Wilfred, Paxton, Jermana, die Kinder und all die anderen Menschen, die uns so herzlich willkommen hießen, gaben uns das Gefühl, ein Teil ihrer Gemeinschaft zu sein, wenn auch nur für einen Tag.
Besonders schön fanden wir auch die Begeisterung rund um das Festival und die Bemühungen der Dorfbewohner, die Megapoden für zukünftige Generationen zu schützen. Hoffentlich wird das Festival in den kommenden Jahren weiter wachsen und noch mehr Besucher auf diese wunderschöne Insel bringen, während es gleichzeitig dazu beiträgt, ihre einzigartige Tierwelt zu bewahren. Während also ein großer Teil der Welt Halloween feierte, feierten wir etwas völlig anderes. Happy Megapode Day!
Wie geht es weiter?
Am nächsten Morgen war es auch schon wieder Zeit, den Anker zu lichten und unsere Reise fortzusetzen. Unser nächstes Ziel? Die Russell Islands! Und ich kann euch jetzt schon einen kleinen Vorgeschmack geben: Wir landeten in einer traumhaft schönen Lagune mit kristallklarem, türkisblauem Wasser. Aber mehr dazu nächste Woche!
Fürs Erste verlassen wir Savo Island mit wunderschönen Erinnerungen, neuen Freundschaften und einer noch größeren Wertschätzung für all die unerwarteten Abenteuer, die eine Weltumsegelung so besonders machen. Denn manchmal sind die schönsten Erlebnisse genau die, die man nie geplant hatte.
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