Segeln durch die Salomonen

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Nachdem wir erfolgreich in die Salomonen eingereist waren, wurde es Zeit, weiterzusegeln. Unser nächstes Ziel waren die Three Sisters Islands, eine kleine, abgelegene Inselgruppe, die wir ein wenig erkunden wollten, bevor es weiter nach Honiara, der Hauptstadt der Salomonen, gehen sollte.

Ein schnelles Bootsprojekt … dachten wir zumindest

Ursprünglich wollten wir gegen Mittag aufbrechen. Eine durchaus vernünftige Abfahrtszeit, bei der uns noch genügend Tageslicht geblieben wäre. Stattdessen saßen wir auf dem Vorschiff von Tauha und beschäftigten uns mal wieder mit einer kleinen Verbesserung am Boot. Diesmal bastelten wir Schutzhüllen für unsere Genuaschoten (die Leinen, mit denen wir unser Vorsegel einstellen), damit diese nicht durch ständige Reibung aufscheuern. Zusätzlich befestigten wir Kunststoffschläuche an einigen Stellen der Reling, an denen die Schoten regelmäßig über das Metall scheuern. Ein schnelles kleines Projekt, oder? Tja, wie so oft auf einem Segelboot wurde aus einer vermeintlich einfachen Aufgabe eine deutlich längere Angelegenheit. Als wir schließlich wieder auf die Uhr schauten, war es bereits drei Uhr nachmittags. Ups. Wir wollten trotzdem noch los, also machten wir uns daran, den Anker zu lichten. Oder zumindest versuchten wir es.

Zum ersten Mal auf unserer Reise hatte sich unsere Ankerkette um Korallenblöcke am Meeresgrund gewickelt. Fantastisch! Manche Segler können einfach hinuntertauchen und ihre Ankerkette von Hand befreien. Für uns ist das leider keine wirkliche Option. Also manövrierten wir Tauha vorsichtig ein Stück nach links und rechts, in der Hoffnung, die Kette aus einem anderen Winkel lösen zu können. Schließlich griffen wir zusätzlich auf unsere sogenannte Trippleine zurück, eine zusätzliche Leine am Anker, mit der man diesen aus einer anderen Richtung ziehen und gegebenenfalls befreien kann. Solche Leinen gehören zu den Dingen, bei denen sich die Seglergemeinschaft nicht ganz einig ist: Die einen schwören darauf, die anderen können sie überhaupt nicht leiden. Wir gehörten in diesem Moment definitiv zur ersten Gruppe! Mit etwas Geduld und einigen Manövern gelang es uns schließlich, die Ankerkette zu befreien. Und los ging's!

Als wir durch die Passage aus unserem Ankergebiet hinausfuhren, fiel uns noch etwas auf, das für unsere weitere Reise zunehmend wichtig werden sollte: Die auf unseren Seekarten eingezeichneten Wassertiefen stimmten nicht immer besonders gut mit der Realität überein. Um genau zu sein, wichen sie teilweise sogar erheblich von den Messungen unseres Echolots ab. In diesem Fall bereitete uns das glücklicherweise keine Probleme, aber es war definitiv etwas, das wir uns für die Zukunft merken mussten. Je weiter wir in diese abgelegenen Regionen vordringen, desto weniger können wir uns allein auf die Tiefenangaben unserer Seekarten verlassen.

Fisch an der Angel! Unser erster Gelbflossen-Thunfisch

Sobald wir das offene Meer erreicht hatten, erwartete uns herrliches Segelwetter. Die Wellen rollten gemütlich von hinten heran, der Wind war angenehm und Tauha machte gute Fahrt in Richtung der Three Sisters Islands. Alles lief wunderbar entspannt. Doch kurz bevor wir die Inseln erreichten, wurde es plötzlich aufregend.

Wir mussten halsen, also mit dem Heck durch den Wind drehen und dabei die Segel von einer Bootsseite auf die andere bringen. Ich stand am Steuer, während Alex damit beschäftigt war, die Segel auf der neuen Seite wieder richtig einzustellen. Als ich nach Steuerbord schaute, entdeckte ich plötzlich etwas etwa hundert Meter von uns entfernt. Fische sprangen aus dem Wasser! Und darüber kreisten mehrere Seevögel. „Alex! Da drüben springen Fische!“ Mehr musste ich nicht sagen. Bei jeder Halse nimmt Alex die Angel aus ihrer Halterung, verstaut sie vorübergehend im Boot und befestigt sie anschließend auf der anderen Seite, damit sie den Segeln nicht im Weg ist. In diesem Moment war unsere Angel also noch gar nicht wieder im Wasser. Natürlich beeilte er sich sofort, sie einsatzbereit zu machen. Und natürlich passiert genau dann, wenn es schnell gehen soll, das Unvermeidliche: Alles, was sich irgendwie verheddern kann, verheddert sich auch.

Während Alex mit der Angel kämpfte, änderte ich unseren Kurs ein wenig, um näher an die Stelle heranzukommen, an der wir die springenden Fische gesehen hatten. Endlich landete der Köder im Wasser. Keine zwanzig Sekunden später … ZZZZZZZZZZZZZZ! Fisch an der Angel! Alex schnappte sich die Angel und begann, gegen das unbekannte Etwas am anderen Ende der Leine zu kämpfen. Währenddessen versuchte ich, Tauha etwas abzubremsen, um ihm die Arbeit zu erleichtern. Anders als die Goldmakrele (Mahi-Mahi), die wir in der vergangenen Woche gefangen hatten und die uns mit ihren spektakulären Sprüngen aus dem Wasser eine richtige Show geliefert hatte, blieb dieser Fisch die ganze Zeit unter der Wasseroberfläche. Statt wild herumzuspringen, zog er mit aller Kraft nach unten und versuchte, immer tiefer abzutauchen. Uns beiden kam schnell derselbe Verdacht: Könnte das etwa ein Thunfisch sein? Nach ungefähr zehn Minuten Kampf bekamen wir ihn schließlich zum ersten Mal zu Gesicht. Ein wunderschöner Gelbflossen-Thunfisch! Zwölf Kilogramm schwer!

Wir waren völlig aus dem Häuschen! Einen Thunfisch zu fangen, stand schon lange ganz oben auf unserer Wunschliste, und jetzt hatte es endlich geklappt. Nachdem wir unseren Fang sicher an Bord gebracht hatten, steuerte ich Tauha wieder auf unseren ursprünglichen Kurs zurück. Alex machte sich währenddessen daran, den Fisch auszunehmen, zu zerlegen und anschließend das unvermeidliche Chaos am Heck des Bootes zu beseitigen. Frischer Thunfisch zum Abendessen. Und zum Mittagessen. Und vermutlich noch für einige weitere Mahlzeiten. Kein schlechter Abschluss für einen Segeltag bei Sonnenuntergang!

Eine einsame Insel und eine gigantische Korallenkolonie

Unser Ziel war Malaulalo, eine der Three Sisters Islands. Anders als viele unserer bisherigen Stopps ist Malaulalo unbewohnt. Und obwohl wir es lieben, neue Menschen kennenzulernen, Dörfer zu besuchen und in fremde Kulturen einzutauchen, freuten wir uns dieses Mal auf etwas ganz anderes: Ruhe und Abgeschiedenheit. Die Insel ist außerdem für etwas ganz Besonderes bekannt: In ihrer Nähe befindet sich die größte bisher bekannte einzelne Korallenkolonie der Welt. Mit einem Durchmesser von etwa 34 Metern und einem geschätzten Alter von 300 bis 500 Jahren ist sie ein echtes Naturwunder. Ziemlich beeindruckend für einen Ort, von dem die meisten Menschen vermutlich noch nie gehört haben!

Allerdings gab es ein kleines Problem. Wir erreichten die Insel mitten in der Nacht. Der Ankerplatz war von Korallen umgeben, und nach unseren bisherigen Erfahrungen mit den ungenauen Tiefenangaben auf den Seekarten war uns beiden nicht besonders wohl bei dem Gedanken, im Dunkeln nach einer sicheren Sandfläche zum Ankern zu suchen. Anstatt unser Glück herauszufordern, holten wir also die Segel ein und warteten außerhalb der Ankerbucht die letzte Stunde bis zum Sonnenaufgang ab. Als sich langsam das erste Licht am Horizont zeigte, starteten wir den Motor und näherten uns vorsichtig der Insel. Mithilfe von Satellitenbildern auf Google Maps hatten wir zuvor eine Stelle entdeckt, die nach einer Sandfläche zwischen den Korallenblöcken aussah. Jetzt mussten wir sie nur noch in der Realität finden. Und zum Glück gelang uns das auch!

Wir ließen den Anker fallen, stellten jedoch nach einem genaueren Blick auf den Verlauf unserer Ankerkette fest, dass diese noch immer über einige Korallenblöcke führte. Nicht gerade ideal. Da wir keine Lust hatten, uns beim nächsten Ankerlichten wieder mit einer verhakten Kette herumzuschlagen, holten wir den Anker kurzerhand wieder ein und verlegten uns ein paar Meter weiter nach Norden. Zweiter Versuch. Schon viel besser! Und damit hatten wir wieder ein kleines Stück Paradies erreicht. Fantastisch!

Neuer Tag, neuer Bootsschaden

Nach der nächtlichen Überfahrt verbrachten wir den Großteil unseres ersten Tages damit, auszuschlafen, uns zu entspannen, zwischendurch zur Abkühlung ins Wasser zu springen und ein paar kleinere Arbeiten an Bord zu erledigen. Denn anscheinend schafft es auf Tauha jede noch so kurze Überfahrt, irgendein neues Problem mit sich zu bringen. Dieses Mal hatte es eine Metallstrebe am Heck erwischt, die unser Solarpanelgestell stabilisierte und gleichzeitig als Halterung für unseren Grill diente. Eine der Schweißverbindungen war komplett gebrochen.

Zum Glück hingen sowohl die Strebe als auch der Grill noch an einer Schraube, sodass wir wenigstens nichts über Bord verloren hatten. Allerdings standen wir nun vor der Frage, wie wir zwei ursprünglich miteinander verschweißte Teile wieder stabil verbinden sollten. Ohne Schweißgerät. Mal wieder eine interessante kleine Ingenieursherausforderung an Bord von Tauha. Für den Moment bauten wir die kaputte Strebe erst einmal ab und beschlossen, dass die Reparatur ein Problem für den nächsten Tag sein durfte. Manchmal ist die beste Bootsreparatur eben die, die man erst nach einer ordentlichen Portion Schlaf angeht.

Schwimmend ins Inselparadies

Am nächsten Morgen beschlossen wir, dass es endlich Zeit war, die Insel ein wenig zu erkunden. Da unser Aufenthalt ohnehin nur kurz sein sollte und wir bereits am Nachmittag weitersegeln wollten, hatten wir wenig Lust, erst das Beiboot ins Wasser zu lassen, den Außenborder vorzubereiten und ein paar Stunden später alles wieder an Bord zu hieven. Also entschieden wir uns für die einfachere Variante. Wir schwimmen einfach! Wir packten einen kleinen wasserdichten Beutel mit unseren Handys, Schuhen und einer Wasserflasche, schnappten uns unsere Schnorchelausrüstung und machten uns auf den Weg zum Strand. Und das machte tatsächlich richtig Spaß! Was uns sofort auffiel, war, wie unglaublich warm das Wasser inzwischen geworden war. In Tonga hatten wir teilweise sogar in unseren Neoprenanzügen gefroren. Hier dagegen kamen wir selbst in unseren Badesachen beinahe ins Schwitzen! Je näher wir dem Äquator kamen, desto deutlicher bemerkten wir die steigenden Temperaturen, sowohl über als auch unter der Wasseroberfläche.

Schließlich erreichten wir den Strand, tauschten unsere Flossen gegen Schuhe und machten uns auf Entdeckungstour. Malaulalo war keine dieser typischen Postkarteninseln mit endlosen, puderweißen Sandstränden. Stattdessen hatte die Insel ihren ganz eigenen, etwas raueren Charme. Korallenübersäte Strände und eine wunderbar unberührte Landschaft verliehen ihr eine besondere Atmosphäre. Wir entdeckten einige große Echsen, jede Menge Krabben und allerlei kleine Lebewesen, die geschäftig ihrem Alltag nachgingen. Es hatte schon etwas Besonderes, über eine Insel zu spazieren, auf der es weder Straßen noch Häuser gab und weit und breit kein anderer Mensch zu sehen war. Nur wir, die Tierwelt und das Rauschen des Meeres. Nachdem wir die Insel eine Weile erkundet hatten, ging es zurück ins warme Wasser und schnorchelnd wieder zu Tauha.

Ein paar Schrauben, etwas Erfindergeist und schon wieder eine verspätete Abfahrt

Zurück an Bord wurde uns schnell klar, dass wir uns langsam beeilen mussten, wenn wir unser nächstes Ziel noch vor Sonnenuntergang des nächsten Tages erreichen wollten. Aber da war ja noch diese kaputte Metallstrebe. Und wie das eben so ist, kam mal wieder eins zum anderen.

Wir begannen, mit Schrauben, Muttern und mehreren Schlauchschellen zu experimentieren, um die gebrochenen Teile auch ohne Schweißgerät wieder miteinander zu verbinden. Nach einiger Zeit hatte Alex tatsächlich eine neue Konstruktion zusammengebastelt. Und erstaunlicherweise machte das Ganze sogar einen richtig stabilen Eindruck! Manchmal funktioniert ein bisschen Improvisation eben besser als erwartet. Ob unsere Konstruktion auch mehrere Tausend Seemeilen auf hoher See überstehen wird, muss sich allerdings erst noch zeigen. Für den Moment waren wir jedenfalls ziemlich zufrieden mit unserer Lösung.

Leider war der Nachmittag bereits weit fortgeschritten, als wir die Reparatur endlich abgeschlossen, Tauha vorbereitet und alles für die Weiterfahrt verstaut hatten. So viel also zu unserem Plan, den nächsten Ankerplatz bei Tageslicht zu erreichen. Wir lichteten den Anker und machten uns auf den Weg nach Honiara.

Eine letzte Herausforderung vor der Abfahrt

Natürlich konnten wir die Three Sisters Islands nicht verlassen, ohne noch eine letzte kleine Herausforderung zu meistern. Als wir versuchten, das Großsegel zu setzen, merkten wir schnell, dass irgendetwas nicht stimmte. Das Großfall hatte sich irgendwie oben am Mast verheddert und verhinderte, dass wir das Segel richtig hochziehen konnten. Fantastisch. Was eigentlich ein schnelles und einfaches Manöver hätte werden sollen, entwickelte sich zu einer gefühlten Ewigkeit aus Ziehen, Lockern, Hin- und Herprobieren und dem verzweifelten Versuch, die Leine wieder freizubekommen. Während wir also mit unserer eigenen Takelage kämpften, fuhr plötzlich ein kleines Boot an uns vorbei und die Leute an Bord winkten uns freundlich zu. Moment mal, was? Wir befanden uns vor einer unbewohnten Insel mitten im Nirgendwo, und auf einmal tauchte wie aus dem Nichts ein kleines Boot auf? Wir fragten uns natürlich, wo um alles in der Welt es herkam und wohin es wohl unterwegs war. Aber bevor wir uns darüber allzu viele Gedanken machen konnten, mussten wir uns erst einmal wieder unserem eigenen Problem widmen. Nach einer gefühlten Ewigkeit gelang es uns schließlich, das Fall zu befreien. Das Großsegel ließ sich endlich hochziehen und wir waren bereit zur Weiterfahrt.

Mal wieder hatten wir es geschafft, aus einem eigentlich simplen Segelmanöver ein ausgewachsenes Projekt zu machen. Aber was soll's! Das Segel war oben, der Wind wartete auf uns und endlich ging es weiter Richtung Honiara!

Eine etwas chaotische Nacht auf See

Die nächtliche Überfahrt selbst verlief eigentlich recht unspektakulär. Das Segeln war angenehm, es passierte nichts besonders Aufregendes und Tauha brachte uns zuverlässig weiter in Richtung Guadalcanal, der Hauptinsel der Salomonen. Unser Wachplan war allerdings eine andere Geschichte. Normalerweise haben wir für unsere Nachtwachen einen ziemlich eingespielten Rhythmus. Dieses Mal beschlossen wir jedoch, die Schichten etwas zu tauschen, da ich noch mit einem Freund telefonieren wollte. Klang erst einmal nach einer guten Idee. Bis mir gegen Mitternacht plötzlich schlecht wurde.

Irgendwann beschloss ich, mich draußen ins Cockpit zu legen, in der Hoffnung, dass mir die frische Luft guttun würde. Leider führte das aber auch nicht gerade zu einer besonders erholsamen Nacht. Am Ende übernahm Alex ganze sechs Stunden lang die Wache, bevor er das Steuer schließlich wieder an mich übergab. Definitiv nicht unsere bestorganisierte Nacht auf See. Aber manchmal läuft es eben so. Immerhin kamen wir Honiara Stück für Stück näher und konnten unterwegs noch den Anblick einiger wunderschöner Inseln genießen.

Zurück in der Zivilisation … fast zumindest

Als wir uns Honiara, der Hauptstadt der Salomonen, näherten, waren wir ehrlich gesagt ziemlich überrascht, wie großstädtisch es hier plötzlich zuging. Nachdem wir so viel Zeit in kleinen Dörfern, auf abgelegenen Inseln und in einsamen Ankerbuchten verbracht hatten, war es fast schon ungewohnt, auf einmal wieder Autos, Frachtschiffe, Containerterminals und all die anderen Anzeichen einer geschäftigen Stadt zu sehen. Wir konnten die Stadt sogar schon riechen, bevor wir sie überhaupt erreicht hatten. Was für ein Kontrast zu den kleinen Inseln, die wir noch am Vortag erkundet hatten! Natürlich freuten wir uns darauf, endlich wieder unsere Vorräte aufstocken zu können. Gleichzeitig fühlte sich das geschäftige Treiben nach all den abgelegenen Orten, die wir in den vergangenen Wochen besucht hatten, irgendwie fast ein bisschen fehl am Platz an.

Leider begann die Sonne bereits unterzugehen, als wir uns unserem Ankerplatz näherten. Wir würden es also mal wieder nicht bei Tageslicht schaffen. Schon wieder. Immerhin hatte die Natur eine kleine Entschädigung für uns parat: Ein wunderschöner Vollmond stieg langsam über den Horizont und tauchte das Wasser um uns herum in warmes Licht. Der Wind war inzwischen fast vollständig eingeschlafen, doch plötzlich fiel uns etwas Merkwürdiges auf. Direkt neben Tauha wurde das Wasser auf einmal unglaublich laut. Starke Kräuselungen und unruhige Wasserbewegungen durchzogen die Oberfläche. Wir waren in eine kräftige Meeresströmung geraten! Und die bescherte uns ordentlich zusätzliche Geschwindigkeit. Wir holten die Segel ein und machten uns unter Motor an die letzte Etappe in Richtung Hafen. Und genau hier wurde es noch einmal etwas stressiger.

Laut unseren Seekarten mussten wir durch einem Riff durch navigieren, das eigentlich durch Seezeichen markiert sein sollte. Die rote Tonne, die das Riff kennzeichnen sollte? Weit und breit nicht zu sehen. Die grüne Tonne? Nicht beleuchtet. Fantastisch. Genau das, was man sich wünscht, wenn man nachts einen unbekannten Hafen ansteuert. Zur Sicherheit schalteten wir sowohl die Navigation auf unserem Handy als auch unseren Navigationsmonitor ein. Da beide Geräte über unabhängige GPS-Empfänger verfügen, hatten wir zumindest eine Absicherung, falls eines davon plötzlich unzuverlässige Positionsdaten liefern sollte. Langsam und vorsichtig tasteten wir uns weiter voran. Die Navigation in unbekannten Gewässern bei Dunkelheit ist immer eine ziemlich nervenaufreibende Angelegenheit. Besonders dann, wenn man nicht genau weiß, wie die Küste, die Riffe oder die Hafeneinfahrt tatsächlich aussehen.

Unser Ziel war eine Mooringboje in Küstennähe, an der wir Tauha festmachen wollten. Wir hatten zwar ungefähre GPS-Koordinaten, aber eine kleine Boje mitten in der Dunkelheit zu finden, ist leichter gesagt als getan. Alex stand mit einer Taschenlampe am Bug und suchte die Wasseroberfläche ab, während ich Tauha vorsichtig in Richtung der vermuteten Position steuerte. Und dann … Da war sie! Eine Mooringboje!

Langsam näherten wir uns, befestigten unsere Leinen und stellten schließlich den Motor ab. Was für eine Erleichterung! Wir hatten Honiara sicher erreicht.

Frühstück, Einkaufen und ein bisschen Zivilisation

Am nächsten Morgen begannen wir unseren Tag mit einem Besuch bei einem netten schwedischen Seglerpaar, das mit seinen Kindern ebenfalls in der Nähe vor Anker lag. Da sich unser zwölf Kilogramm schwerer Thunfisch als etwas zu viel für uns beide herausgestellt hatte, brachten wir ihnen einen Teil unseres Fangs vorbei. Anschließend ging es endlich an Land. Und zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit gönnten wir uns wieder ein richtiges Frühstück in einem Restaurant. Was für ein Luxus! Es war unglaublich lecker, und eine Sache muss ich an dieser Stelle unbedingt empfehlen: Gurken-Melonen-Saft!

Wirklich, falls ihr das jemals auf einer Speisekarte entdeckt, probiert ihn unbedingt aus oder macht euch einen selbst zuhause. Herrlich erfrischend! Nach dem gemütlichen Frühstück wurde es allerdings Zeit, sich an die Arbeit zu machen. Schließlich hatten wir eine ziemlich lange Einkaufsliste abzuarbeiten.

Malariamedikamente, Fußbälle und Berge von Konservendosen

Ganz oben auf unserer Einkaufsliste standen Malariamedikamente. Vor Beginn unserer Reise hatten wir in den USA etwa 90 Tabletten gekauft. Damals waren wir allerdings noch davon ausgegangen, deutlich weniger Zeit in Malariagebieten zu verbringen. Dass wir allein für Indonesien Medikamente für ungefähr sechs Monate benötigen würden, hatten wir jedenfalls nicht eingeplant. Also mussten wir dringend Nachschub besorgen. Zum Glück fanden wir eine Apotheke, die ein alternatives Medikament vorrätig hatte. Es war zwar nicht dasselbe, das wir bisher genommen hatten, und leider hat es einen etwas ungünstigen Nebeneffekt: Es kann die Haut deutlich empfindlicher gegenüber Sonnenlicht machen. Nicht gerade ideal, wenn man seine Tage damit verbringt, durch die Tropen zu segeln. Und erst recht nicht, wenn man Alex heißt.

Aber immerhin hatten wir eine Alternative gefunden. Und der Preis konnte sich wirklich sehen lassen: Rund zehn US-Dollar für hundert Tabletten!

Zusätzlich besorgten wir noch Ibuprofen, Sonnencreme und medizinisches Klebeband. Das Wundpflaster bekamen wir von der Apotheke sogar geschenkt. Ein durchaus erfolgreicher erster Einkaufsstopp!

Als Nächstes ging es in den Supermarkt. Bevor wir an diesem Morgen an Land gegangen waren, hatten wir einen großen Teil unserer Vorräte aus den Staufächern geräumt, um uns einen Überblick darüber zu verschaffen, was wir noch an Bord hatten und was dringend aufgefüllt werden musste. Da unsere nächsten längeren Hochseeüberfahrten immer näher rückten, wollten wir sicherstellen, dass Tauha ausreichend mit Lebensmitteln versorgt war. Also landeten jede Menge Gemüse- und Obstkonserven sowie allerlei andere haltbare Lebensmittel in unserem Einkaufswagen. Im Grunde alles, was problemlos mehrere Wochen oder Monate in den Vorratsfächern eines Segelbootes überstehen kann.

Außerdem kauften wir vier Fußbälle in den Größen drei und fünf, die wir auf einigen der Inseln, die wir in Zukunft besuchen würden, an Kinder verschenken wollten. Nach all den schönen Begegnungen mit Familien und Kindern auf den verschiedenen Pazifikinseln fanden wir, dass ein paar Fußbälle wunderbare kleine Geschenke wären, die wir an Bord haben könnten. Nachdem wir unsere erste große Einkaufsrunde erfolgreich hinter uns gebracht hatten, schleppten wir sämtliche Einkäufe zurück zu Tauha. Aber fertig waren wir damit noch lange nicht!

Der nicht enden wollende Einkaufsmarathon

Unsere zweite Einkaufstour führte uns zu noch mehr Geschäften. Eine Destillerie, ein Metzger, eine Eisdiele und ein Baumarkt standen auf dem Programm. Eine durchaus interessante Kombination! Als wir endlich alles erledigt hatten, war ich allerdings völlig erschöpft. In den Geschäften stand die heiße Luft, draußen brannte die Sonne erbarmungslos vom Himmel und die tropische Hitze machte mir ordentlich zu schaffen.

Zu allem Überfluss hatte ich mir auch noch den Fuß verletzt, was die ganze Lauferei nicht gerade angenehmer machte. Als wir schließlich wieder auf Tauha ankamen, war ich fix und fertig. Wirklich fix und fertig. Abgesehen vom Abendessen brachte ich an diesem Tag nicht mehr viel zustande und verschwand ziemlich schnell im Bett.

Alex dagegen war offenbar noch voller Energie. Während ich bereits schlief, machte er sich daran, sämtliche Konservendosen, die wir am Morgen aus unseren Vorratsfächern geräumt hatten, zusammen mit den neu gekauften Lebensmitteln zu sortieren und wieder ordentlich in den verschiedenen Stauräumen zu verstauen. Eine Aufgabe, die zunächst ziemlich einfach klingt. Zumindest so lange, bis man weiß, wie viele Konservendosen und versteckte Staufächer wir an Bord haben. Eine Arbeit von der ich wirklich wertschätzte das er sie übernommen hatte.

Wie geht es weiter?

Heute stehen noch ein paar letzte Erledigungen auf dem Programm, bevor wir unsere Reise fortsetzen können. Ganz oben auf der Liste stehen das Auftanken von Tauha, ein Besuch auf dem Obst- und Gemüsemarkt und hoffentlich auch die Suche nach einer Möglichkeit, unsere Wasserkannister wieder aufzufüllen. Danach wollen wir uns auf den Weg zur nächsten kleinen Insel machen und unsere Reise durch die Salomonen fortsetzen. Und wer weiß? Vielleicht schaffen wir es ja sogar noch, vor der Abfahrt ein weiteres leckeres Frühstück an Land einzuschieben. Denn wer kann zu einem guten Gurken-Melonen-Saft schon Nein sagen?

Unsere Zeit auf den Salomonen entwickelt sich jedenfalls bereits zu einer spannenden Mischung aus Abenteuern auf abgelegenen Inseln, unerwarteten Begegnungen mit der Tierwelt, nicht enden wollenden Bootsreparaturen und gelegentlichen Abstechern zurück in die Zivilisation.

Und vor uns liegen noch jede Menge Seemeilen und hoffentlich viele weitere unvergessliche Abenteuer!

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